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Die Felsinschriften im „Rätischen Quellenheiligtum“ am Schneidjoch

Schriftzeichen im FelsÜber die einige tausend Jahre alten Felsinschriften im „Rätischen Quellenheiligtum“ (so die nicht sehr wissenschaftliche, aber mittlerweile allgemein geltende Bezeichnung) am Schneidjoch hatte das TEGERNSEER TAL erstmals im Jahre 1973 (Heft 70) berichtet, entschlüsselt wurden sie bis heute nicht. Man kann die Schrift sozusagen phonetisch lesen, sie stammt aus dem „etruskischen Alphabet der Bozener Variante“, aber man kann den Wortlaut keiner europäischen oder voreuropäischen Sprachfamilie zuordnen. Es handelt sich um eine sehr rhythmische Silbenfolge - etwa, „kastriesietunimlapet - ritaliesikastrimiapet - esimnesicastri milaure“ die auf eine Weiheformel und somit auf eine kultische Stätte schließen lässt. Als ältestes vorrömisches Schriftdenkmal nördlich des Alpenhauptkammes wurde das „Quellenheiligtum“ zum „Europäischen Kulturgut“ erklärt - ein Mysterium, das sich bisher allen Übersetzungsversuchen widersetzte.

Schriftbänder mit rätischen Schriftzeichen

Aufnahmen: Dr. med. H. W. Roth

Titelblatt des Heftes Nr. 143
Den Pressetext zur Entdeckung von Dr. med. H.W. Roth und zur Deutung der Schriftzeichen als König Attila

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Nun könnte, wie die Redaktion dieser Tage erfuhr, ein Wissenschaftler aus Ulm, Dr. med. Hans-Walter Roth buchstäblich Licht in dieses Rätsel vom Schneidjoch bringen. Roth ist Ulmer Stadtrat, von Beruf Augenarzt und Naturwissenschaftler, er arbeitet darüber hinaus als Journalist und Photograph. Seit vielen ahren widmet er seine ganze Freizeit der Archäologie und hier besonders der Entzifferung alter Sprachen. Auf die vorgeschichtlichen Schriften am Schneidjoch wurde Hans-Walter Roth durch Hansjörg Ritter in Schwaz aufmerksam gemacht; er hat diese in den letzten Monaten mit speziellen Verfahren der wissenschaftlichen Photographie mit monochromatischen Licht aufgenommen und mit Lasertechnik vermessen. Nach elektronischer Kontrastverstärkung wurden dabei von Roth einige hundert neue Details entdeckt und hervorgehoben, die dem Auge bisher verborgen blieben. So steht für diesen Ulmer Archäologen fest, dass die Höhle bereits einige Jahrtausend vor Christus besiedelt war und in der Bronzezeit als astronomischer Beobachtungspunkt diente. Spätere Spuren stammen nach seinen Thesen von den Rätern, auch Schriftreste von Römern, Kelten und Goten ließen sich inzwischen nachweisen. Es liegen mittlerweile über dreitausend derartige Aufnahmen vor, die es Hans-Walter Roth ermöglichten, eine andere Lesart der Felsinschriften zu erarbeiten. Seine Forschungsergebnisse wird er in Kürze in einer Fachzeitschrift zur Diskussion stellen. Die Redaktion TEGERNSEER TAL dankt Hans-Walter Roth dafür, das wir hier vorab einige dieser Spezial-Aufnahmen veröffentlichen dürfen, und wird ihre Leser weiter über dieses Wissenschaftsprojekt informieren.

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