Pressetext, Innsbruck 26.8.2007

Königsname entdeckt

Sensationeller Fund am Schneidjoch - Lagerte König Attila am Schneidjoch?

Bereits seit einigen Jahren versuchte ein Forscherteam um den Ulmer Stadtrat Dr. Hans-Walter Roth Licht in die geheimnisvolle Höhle am Achensee zu bringen. Nachdem die Felswand mit modernster digitaler Fototechnik im monochromatischen Licht aufgenommen werden konnte, wurden mittlerweile über 200 neue Inschriften, zumeist Graffitis, identifiziert. Nicht nur Nomaden der Jungsteinzeit ritzten vor etwa 5000 Jahren Figuren in die Felswand, es gibt Hinweise auf ein bronzezeitliches astronomisches Observatorium, es finden sich Inschriften aus nahezu allen historischen Phasen Nordtirols. Bauern der Ötzizeit, Etrusker, Römer, Kelten, Gote und immer mehr Wanderer aus allen Teilen der Welt hinterließen ihren Namen, Datum oder gar die Handynummer.

Am bekanntesten aber sind ohne jeden Zweifel die 5 Banderolen in nordetruskischen Buchstaben, für die es bisher keine gesicherte Übersetzung gibt. Sie werden den Rätern zugeschrieben.

Eine Inschrift aber dominiert die Höhle und zieht sich mit einer Länge von über 1.00 m quer über die Hälfte der ganzen Höhlenwand hin, - ohne Rücksicht auf frühere Schriften, Bilder oder Halbplastiken, die gewaltsam herausgeschlagen wurde.. Ihre Buchstaben, ca.15 cm hoch, sind linksläufig, d.h. in heutigem Sinne seitenverkehrt, angebracht, starke Verwitterung und spätere Überschreibungen erschweren die Lesbarkeit vor allem im Randbereich.

Schriftbänder mit rätischen Schriftzeichen

Aufnahme: Dr. med. H. W. Roth

Eine Transliteration der Buchstaben in die verschiedenen Sprachen und Schriften der Zeit zeigte, dass diese nicht etruskisch sein konnten, dennoch eine Signifikanz mit den rätischen Inschriften in der Höhle aufwiesen. Vor allem der zentrale Buchstabe „X „ von einigen Sprachforschern als „CH“ interpretiert, ergab dem Text keinen Sinn, zumal die Silbenfolge

PECHATATLI

keine Übereinstimmung mit bereits bekannten Sprachen ermöglichte.

Das Rätsel konnte jetzt gelöst werden nachdem mit moderner Kameratechnik aus Ulm der stark verwitterte Buchstabe „P“ in „R“ umgedeutet werden konnte und das geheimnisvolle „X“ als ein aus dem römischen „X“ entlehnter Hilfsbuchstabe identifiziert wurde. Der lateinische Buchstabe „X“ findet sich weder im Etruskischen noch Rätischen, im Rätischen liest sich das Zeichen „X“ als „T“.

Hieraus war, so Dr. Roth, logischerweise zu folgern dass nur ein fremder Name oder ein Titel in der Inschrift enthalten sein konnte, - erinnert sein an die Entzifferung der Hieroglyphen durch den Franzosen Champollion, der über die Transliteration der Pharaonennamen die ägyptische Schrift entschlüsselte.

Nun liest sich die Inschrift am Steinbergjoch zentral wie folgt:

REX ATATLI

Dass ATLI die zeitgenössische Schreibweise für König ETZEL ist, steht in jedem Geschichtsbuch und gilt historisch als gesichert, in lateinischer Schreibweise ist REX ATTILA üblich. Dass König Attila (gotisch „Väterchen“) seinen Namen auch in der Höhle am Steinbergjoch hinterließ, ist neu. Die Geschichtsforschung wird sich jetzt mit der Frage beschäftigen müssen, ob, wann um warum Attila übers Steinbergjoch zog, - vermutlich war es um das Jahr 452 nach Christus bei seinem Einfall in Italien.

Weitere Inhalte aus dem Bereich Spurensuche

finden Sie hier