Leseprobe zu
Heft 185
 
Natur und Landschaft
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Kalpan Kocher erteilt den Wallfahrtssegen in der Pfarrkirche Egern
Wallfahrtssegen vor dem Aufbruch in der Pfarrkirche Egern

Die Pfarrei Gmund schlägt nach altem Herkommen jeweils am Tag nach Christi Himmelfahrt einen ganz anderen Weg ein: Man geht zunächst über Agatharied und Wörnsmühl nach Elbach zur reizenden kleinen Wallfahrtskirche Heilig Blut, dann nach einer Einkehr weiter nach Birkenstein und kehrt ebenfalls per Bus zurück. Anlässlich der 1250-Jahr-Feier des Klosters hat die Pfarrei Tegernsee 1996 den alten Bittgang nach Tuntenhausen wiederbelebt. Doch beginnt der Fußmarsch nun erst bei der Marinus-und-Anian-Kirche von Wilparting. Dann aber folgt der Weg, zumeist über Nebenstraßen, ziemlich genau der alten Route und endet nach rund fünf Stunden am Gnadenort.

Solch „große“ Bittgänge erfordern freilich einige Kondition und Berggängigkeit. Wer sich die nicht zutraut, hat aber eine ausreichende Auswahl an weniger langen und anspruchsvollen Wegen: So gehen etwa die Tegernseer ganz entspannt vom Friedhof zur „Schneekapelle“ im Alpbachtal, die Gmunder rund Wiesseer Straße drei Kilometer weit nach St. Quirin oder neun Kilometer nach Norden zur Wallfahrtskirche Allerheiligen bei Warngau. Aus der Pfarrei Egern berichtete der Pfarrer 1958: „Die Oberacher gehen ohne Geistlichen nach Bad Kreuth in einem Bittgang.“ Dies tun sie bis heute, mittlerweile ist alljährlich an Christi Himmelfahrt die Kreuther Pfarrkirche St. Leonhard das Ziel, und der Kaplan geht mit. Seit Kurzem machen sich die Glashütter, meist von Stuben aus, auf zur 2017 erbauten Kapelle Maria im Wald nahe der Tiroler Grenze.

Kaplan Kocher und die Wallfahrer an der Oberacher Kapelle
Auf dem Filzenweg bei Neuhaus in Richtung Birkenstein

Fromme „Wellness“

Zu den Bittgängen eingeladen sind nicht nur die Pfarrangehörigen, sondern alle, die sich dieses besondere Erlebnis gönnen wollen. Recht betrachtet, sind solche frommen Wanderungen ja auch ideale Teile eines alternativen „Wellness“-Urlaubs für Leib und Seele. Stressfrei kann man auf den Wallfahrtswegen Natur und Landschaft genießen, meist abseits von Verkehr und Trubel. Gesund ist das allemal, und für das manchmal notwendige frühe Aufstehen entschädigt schon das morgendliche Vogelkonzert. Nicht zuletzt steht am Ziel immer eine schöne Kirche, und neben der Kirche steht fast immer ein Wirtshaus zur gemütlichen Einkehr. Allen Interessenten sei deshalb für Termine und Treffpunkte ein rechtzeitiger Blick in die Pfarrbriefe und Gottesdienstanzeiger bzw. auf die Homepages der Tal-Pfarreien empfohlen!

Roland Götz

Fotos:
Katrin Buchner
Thomas Plettenberg

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