Leseprobe zu
Heft 185
 
Natur und Landschaft
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Bei Aurach, jetzt ist es nicht mehr weit bis Birkenstein.
Bei Aurach, jetzt ist es nicht mehr weit bis Birkenstein

Althergebrachte Wege und Ziele für Körper, Geist und Seelenheil

Bittgänge im Tegernseer Tal

Die Lebensweisheit, dass der Weg das Ziel sei, kann man immer wieder hören – allzu oft wohl, um zu entschuldigen, wenn es mit dem Erreichen des Ziels nicht recht funktioniert. Auch von Pilgern, etwa auf dem mittlerweile fast überfüllten Jakobsweg und seinen heimischen Zuläuferrouten, bekommt man sie erzählt. Doch ist im Zusammenhang mit Wallfahrten die Sache nicht so einfach. Davon erzählen die „Pilgerrouten“ vor unserer Haustür.

Jahrhundertelang war es mangels anderer Verkehrsmittel zwangsläufig, dass – wer einen Gnadenort als Ziel erreichen wollte – den Weg zu Fuß auf sich nehmen musste. Das hat sich im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts geändert, und niemand wird denjenigen, die heute mit dem Bus nach Altötting, mit der Bahn nach Lourdes oder per Flugzeug nach Fatima reisen, absprechen können, wirklich auf Wallfahrt zu sein. Hier gilt: Das Ziel ist das Ziel.

Vom Wert des Zu-Fuß-Gehens

Gleichzeitig haben sich daneben die traditionellen Fußwallfahrten erhalten, finden in jüngerer Zeit teilweise sogar verstärkten Zulauf. Es gibt sie in ganz unterschiedlicher Dauer – von einer oder zwei Stunden bis hin zu mehreren Tagen, etwa wenn alljährlich tausende Regensburger nach Altötting pilgern. Denn natürlich macht es etwas mit einem, wenn man nicht einfach das schnellste Verkehrsmittel wählt, sondern in aller Herrgottsfrühe die Wanderstiefel schnürt und sich zusammen mit anderen auf den Weg macht!

Der gleichmäßige Rhythmus des Gehens und der meditative Wechsel von Beten, Singen und Schweigen geben Gelegenheit, über vieles nachzudenken und vielleicht auch manche Sorgen loszuwerden. Beim Einzug in die Wallfahrtskirche werden so manche Augen feucht, und schließlich lösen sich bei den verschwitzten Pilgern die Strapazen des Weges auf in der Freude des Angekommenseins am Gnadenort, wo man Gott und den Heiligen alle seine Anliegen vortragen darf.

Alte Wege

Vor allem in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten sind Wallfahrer im Tegernseer Tal und darüber hinaus unterwegs. Und das schon seit sehr langem: Eine Aufstellung für die Pfarrei Tegernsee um 1500 berichtet, dass am Todestag des Klosterpatrons Quirinus, dem 25. März, „beide Pfarr-)Völker“ von Tegernsee und Egern in Prozession zur kleinen Kirche von St. Quirin zogen. Zum Egerner Kirchweihfest am vierten Sonntag nach Ostern kamen die Tegernseer, die Gmunder und die Waakirchner samt ihrer Geistlichkeit. Am Mittwoch der Bittwoche (vor Christi Himmelfahrt) trafen sich die drei Pfarreien Tegernsee, Egern und Gmund zu einer feierlichen Prozession im Kloster, ebenso zum Hauptfest des heiligen Quirinus, dem 16. Juni. Im Gegenzug kamen „beide Völker“, wenn am Ägidientag (dem 1. September) in Gmund Patrozinium gefeiert wurde, dorthin. Und so weiter …

Auf dem Filzenweg bei Neuhaus
Auf dem Filzenweg bei Neuhaus in Richtung Birkenstein

 

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