Tegernseer Tal Verlag
 
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Natur und Landschaft
Mit dem Rodel fing alles an
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Wallbergrodeln 1913
Wallbergrodeln 1913

Schließlich wurde ein großes gefülltes Wasserfass mit einem Ziehschlitten über mehrere Tage in winterlicher Kälte vom Wunschbauern in Oberach zur Rodelbahn hinaufgezogen. Geduldig bewässerte man die Bahnsohle sowie die erhöhten Kurvenabschnitte mit der einfachen Hilfe von Gießkannen. Der strenge Frost sorgte für eine knackige Vereisung. Vermutlich war dies die erste Natureis- Rodelbahn in Bayern, und es waren rasante, aber auch riskante Wettkämpfe, die dort unter internationaler Beteiligung ausgetragen wurden.

1958 war darauf die Wallberg-Autostraße Schauplatz eines großen, internationalen Rodelrennens. Dazu wurde die Straße von der heutigen Mautstation bis hinauf zum kurzen flachen Straßenabschnitt vor der sogenannten »Sonnenkurve« durchgehend vereist. Am Start sorgte eine zwei Meter hohe hölzerne Startrampe für solide Anlaufgeschwindigkeiten. Viele begeisterte Zuschauer entlang der gefährlich schnellen Strecke erlebten einen packenden Rennverlauf, der leider auch von einigen schweren Unfällen überschattet wurde. Schon im Folgejahr verzichtete man deshalb auf eine weitere Ausrichtung.

Natureisbahn
Int. Rodelrennen auf der Natureisbahn
vom »Indianerhäusl« 1957

Ab den 1960-er Jahren übernahm der Skisport wieder unangefochten das Regiment am Wallberg. Doch im Laufe der Jahrzehnte haben nicht zuletzt die großen, gut ausgebauten Skigebiete jenseits der Grenze dem Skiberg Wallberg Attraktivität und Wirtschaftlichkeit genommen. Und der Rottacher Hausberg? Wurde wieder zum Mekka der Kufenkönige: Mit der Verwirklichung einer Rodelbahn von der Berg- zur Talstation und deren Eröffnung im Dezember 2001 eroberte der Wallberg die Herzen der alten und neuen Rodlergenerationen im Sturm. An schönen Winterwochenenden sind es inzwischen Tausende, die auf Deutschlands längster Rodelbahn (6,5 km) sportlich rasant oder genussvoll und gemütlich auf ihren Schlitten ins Tal rodeln.

Neben den Erinnerungen sind auch die baulichen Spuren der frühen Wallberg-Rodelrennen immer noch vorhanden. Der Winterweg (im obersten Abschnitt ein Teil der heutigen Rodelbahn), die Wallbergstraße – ja sogar der Weg vom »Indianerhäusl« hinunter zur Talstation ist noch vorhanden und begehbar. Zwar ziemlich zugewachsen, trotzdem sind die einst mit viel Idealismus und Schweiß errichteten Kurvenerhöhungen auch nach Jahrzehnten noch immer gut zu erkennen. Drei Wallberg- Rodelbahnen, die viele Geschichten zu erzählen hätten – von eisglatten Kehren, steilen Gräben und unnachgiebigen Bruchsteinmauern, an denen nicht nur viele Schlitten zu Bruch gefahren wurden, sondern auch ganz Schneidige das Ziel manchmal nur mit lädierten Knochen im Akja der Bergwacht erreichten.

Martin Köck

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